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28 Jun 2024

Kongressbericht der „Deutsche Vet 2024“ in Dortmund:

Kongressbericht der „Deutsche Vet 2024“ in Dortmund:
Ein Rückblick, ein Ausblick und die alles entscheidende Frage: Warum sollte man überhaupt Kongresse besuchen? 

 

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Abbildung; Das war sie: Die „Deutsche Vet 2024“ in Dortmund. Doch nach dem Kongress ist bekanntlich vor dem Kongress, weswegen die Veranstalter bereits an der „Deutschen Vet 2025“ feilen, um das Programm und die Messe noch attraktiver für alle kleintiermedizinisch-tätigen KollegInnen zu machen.

 

Seit etwas über zwei Wochen liegt die diesjährige „Deutsche Vet“ hinter uns und damit ist es Zeit einen kleinen Rückblick zu wagen. Ich war tatsächlich zum ersten Mal bei der „Deutschen Vet“ zu Besuch und habe mir daher für Sie alles ganz genau angeschaut.

Der Kongress und die EXPO fanden in der „Dortmunder Westfalenhalle“ statt. Diese ist sehr gut mit der U-Bahn zu erreichen. Außerdem steht ein großzügiger Parkplatz für alle Anreisende, die mit dem Auto kommen, zur Verfügung.

Da ich aus Leipzig eine etwas längere Anreise hatte, reiste ich bereits am Donnerstagabend an. Die Veranstalter empfehlen eine Unterbringung im „Hotel Dorint Dortmund an den Westfalenhallen“. Das Hotel kann ich wärmsten empfehlen. Die Zimmer sind sehr schön, das Personal freundlich und das Frühstück stärkt für einen langen Tag auf den Beinen, was an Kongresstagen absolut erforderlich ist.

 Vielleicht wussten Sie es noch gar nicht, aber Deutschland ist, laut einer statistischen Auswertung aus dem Jahr 2022, was die Veranstaltung von Kongressen, Symposien und Tagung angeht mit über 480 Veranstaltungen auf Platz 4 weltweit, direkt hinter den USA,  Spanien und Italien. Das heißt, wir Deutschen haben eine Menge Übung im Besuchen von Kongressen.

 

Doch warum besucht man überhaupt Kongresse, Tagungen und Symposien?

Zum einen wäre da die fachliche Fort- und Weiterbildung. Auf besagten Veranstaltungen werden die neusten Forschungsarbeiten und Ergebnisse aus der Wissenschaft, sowie Neuerungen auf dem jeweiligen Gebiet präsentiert. Die Besucher profitieren also vom Informationsfluss des Wissens und können sich so auf ihrem Fachgebiet „up-to-date“ halten bzw. bringen.

Zum anderen stehen Netzwerken und Socializing auf dem Programm. Hier treffen sich Besucher und Besucherinnen mit einem ähnlichen Interessengebiet. Der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen und die Knüpfung von beruflichen und privaten Kontakten ist ein wichtiger Aspekt solcher Veranstaltungen. Zudem signalisiert man mit der Teilnahme an Kongressen Engagement. Nicht selten ergeben sich daraus auch neue berufliche Perspektiven und Chancen für die Karriere. Werden Kongresse oder Tagung als Team besucht, kann dies den Zusammenhalt und die Motivation der Belegschaft fördern.

 

Und wie gelang der „Deutschen Vet“ der Spagat zwischen dem Informieren, Fortbilden, Netzwerken und Socializing?

Die „Deutsche Vet“ hatte bezüglich des Informationsflusses dieses Jahr einiges zu bieten. Neben einem spannenden Programm für das tiermedizinischen Fachpersonal an beiden Tagen, gab es gleich zwei Konferenzräume mit Fortbildungsvorträgen für die Tierärzte, sowie einem weiteren Konferenzraum mit Themen aus der Labordiagnostik. Zudem wurden auf der EXPO-Stage weitere interessante Vorträge querbeet für Tierärzte und tiermedizinische Fachangestellte angeboten. Das Programm war sehr ansprechend. Es gab viele internistische Themen, einige Onkologie-Beiträge, Vorträge aus der Zahnmedizin, sowie zur Traumatologie/ Notfallmedizin. Darüber hinaus wurde ein Intensivseminar zur Echokardiografie angeboten.  

Die Keynote-Speaker waren alle Experten auf ihrem Gebiet und präsentierten den Besuchern die Top-aktuellen Leitlinien und Behandlungsempfehlungen zu den einzelnen Fragestellungen. Besonders hervorheben möchte ihr hier Prof. Richard Meeson vom Royal Veterinary Collage in London, der am Freitag zwei wirklich tolle Vorträge zu traumatischen Verletzungen und zusätzlichen einen Vortrag über die Therapie der Osteoarthritis gehalten hat. Ein wirklich toller Referent mit sehr angenehmen Vortragsstil. Aber es gab noch viele weitere überaus fähige ReferentInnen. Da die Vorträge zum Teil überlappend stattfanden, konnte ich allerdings nicht alle Vorträge, die mich thematisch ansprachen, besuchen. Schön fand ich auch, dass die Themen fast ausnahmslos sehr praxisnah ausgelegt waren.  

Sehr positiv war ich auch von den Vorträgen auf der EXPO-Stage überrascht, die zum Teil zuvor über einen Call for Abstracts gesammelt wurden. Sehr informative und breit gefächerte Themen, wie zum Beispiel zum Praxismanagement. Besonders hervorheben möchte ich hier den Vortrag von Anna-Maria von zum Hof von der Rosengarten GmbH, die einen Vortrag zum „Umgang mit trauernden Tierhaltern“, gegeben hat. Wie die meisten von uns Tierärzten, bin ich als Klinikerin regelmäßig mit der Euthanasie von Patienten konfrontiert. Durch den regelmäßigen Notdienst vielleicht sogar öfter als einige KollegInnen in der Praxis. Allerdings empfinde ich, gerade weil wir in der Klinik den Patient häufig eben nicht schon lange kennen und jahrelang medizinisch begleiten, die Situation besonders herausfordernd. Frau von zum Hof konnte den Zuhörern wirklich ein paar tolle Tipps mit auf den Weg geben, wie diese, für alle überaus schwierige Situation, ein klein wenige angenehmer werden kann und ich werde auf jeden Fall die ein oder anderen Empeghlung in meinem Berufsalltag integrieren.

Sie sehen also: Zur Fort- und Weiterbildung wurde so Einiges geboten zur „Deutschen Vet 2024“.

Aber auch das Netzwerken und Socializing kam nicht zu kurz. Ein perfekter Ort hierfür war die groß angelegte Vet-EXPO. Viele verschiedene Aussteller aus dem Bereich Medizintechnik, Medizinprodukte, Futtermittel, Pharmazeutika, Labordiagnostik und einige mehr waren angereist und hatten sich auch tolle Überraschungen für die Messebesucher ausgedacht. Zwischen Gratisproben und Gewinnspielen wurden viele nette Informations- und Verkaufsgespräche geführt. Die Aussteller waren alle überaus freundlich und wurden nicht müde, den Besuchern Ihre Produkte und Dienstleistungen näher zu bringen, ohne dabei aufdringlich zu werden.   

In einigen Gesprächen mit den Ausstellern kamen wir auf das Thema Besucherzahl der Messe zu sprechen, denn diese war leider etwas unter den Erwartungen der Aussteller und Veranstalter ausgefallen. Auf meine Frage, ob sich die EXPO denn trotzdem für sie lohne, antworteten fast alle, dass es zwar schade sei, dass nicht so viele Besucher da wären, aber dafür ein viel intensiverer Austausch mit den Kongressteilnehmern möglich sei. Zudem entstünden auch unter den Ausstellern Kooperationen und Vernetzungen, die sehr wichtig für die Unternehmen sind.

„Netzwerken ist nicht Kontakte sammeln, Netzwerken ist, wenn man Beziehungen aufbaut.“ (Autor unbekannt)

Speziell zum Socializing, was eben bei solchen Veranstaltungen dazu gehört und ein wichtiger Aspekt von Kongressen ist, wurde übrigens am Freitagabend auch ein kleines „Get-Together“ mit Musik, Getränken und einem kleinen Snack veranstaltet. Hier gab es auch die Möglichkeit noch einmal mit der/dem einen oder anderen ReferentIn ins Gespräch zu kommen. Sicherlich ein gelungener Abschluss des ersten Kongresstages.  

Und weil wir gerade beim Thema leibliches Wohl sind: An beiden Kongresstagen wurde ein warmes Mittagessen für alle BesucherInnen serviert und es stand den ganzen Tag eine Getränkeauswahl aus Wasser, Kaffee und diversen Teesorten zur Verfügung. Das Konzept fand ich tatsächlich richtig klasse, da es nicht bei allen deutschen Veterinärkongressen zum Standard gehört. Es ist einfach deutlich einfacher und angenehmer sich auf die Vorträge und die vielen Informationen, die man erhält, konzentrieren zu können und man hält viel länger durch, wenn man ein warmes Mittagessen im Bauch hat und genug Flüssigkeit zu sich nehmen kann.

Bei so viel Lob zur diesjährigen „Deutschen Vet“ möchte ich gegen Ende aber auch noch ein paar kleine Verbesserungsvorschläge anbringen.

Als ich in der großen Messehalle ankam, war ich tatsächlich etwas überrascht, dass die Kongressräume aus großen freistehenden und aufblasbaren Iglus/ Zelten  bestanden, die zum Teil oben offen waren und es keine separaten Kongressräumen gab. Da die Vorträge zeitlich versetzt, aber zum größten Teil parallel liefen, gab es an manchen Stellen durch die doppelte Beschallung gegebenenfalls einige Konzentrationsprobleme.

Mein zweiter Verbesserungsvorschlag bezieht sich auf die Programmerstellung. Ich persönlich freue mich immer sehr, wenn ich zu Tagungen oder Kongressen fahre, wenn die Themen in Blöcken abgehalten und organisiert werden, die thematisch sehr eng beieinander liegen. So wurden die Themen zwar in diesem Jahr im Großen und Ganzen thematisch grob auf die Konferenzsäle sortiert (Innere/ Notfallmedizin/ Orthopädie/ Zahnmedizin), eine Art „Blocksession“ (Innere, Orthopädie, Neurologie, Onkologie, etc.), in der 2-3 Vorträge zu einem Fachgebiet gehalten werden und an den anschließend eine etwas längere Pause anschließt, könnte aber eventuell noch einmal mehr Struktur bringen und die interessierten Besucher am Platz halten.  

 

Ein Ausblick aus 2025

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick auf das kommende Jahr. Eine Neuerung haben mir die Veranstalter bereits verraten, denn 2025 soll es statt 12 ATF-Stunden für die 2-tägige Fortbildungsveranstaltung sogar 18 ATF-Stunden geben, welche man sich bereits jetzt im Frühbucherrabatt sichern kann. 

Zudem wird bereits an einer Lösung für die zeitweiligen akustischen Probleme gearbeitet.

Die Deutsche Vet 2025 wird vom 16. bis 17.Mai 2025 stattfinden. Und wer bei der Themenauswahl für das kommende Jahr mitwirken möchte, dem sei die Umfrage zur diesjährigen Messe ans Herz gelegt. Unter dem folgenden Link:

https://survey.sci-an.com/hwfgXo5Az7E4TWlO   können Themenwünsche für das kommende Jahr abgegeben werden.

Also nichts wie los und wir sehen uns nächstes Jahr zur „Deutschen Vet 2025“ in Dortmund.

Ich freu mich drauf!

 

 

 

 

 

Zum Weiterlesen:

  • Hansson N, Uvelius B, Halling T, Moll FH. „Warum besucht man Kongresse?“ : Deutsch-schwedischer Wissenstransfer am Beispiel des DGU-Kongresses in München 1929 ["Why visit a medical congress?" : Knowledge transfer between Germany and Sweden using the example of the 1929 DGU meeting in Munich]. Urologe A. 2018 Feb;57(2):198-206. German. doi: 10.1007/s00120-018-0578-6
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/202581/umfrage/top-laender-nach-anzahl-der-messen-kongresse/
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